TGT® Gym- & Extreme-Trail

Großer Artikel zum Trainings-Konzept für Hindernisse

 

 

| Text von Peter Kreinberg

“Back to the roots – zurück zu den Wurzeln” dieser Spruch wird gern verwendet, wenn man eine Entwicklung überdenkt und sich auf die Ursprünge einer Sache zurückbesinnt. Mit dem TGT®-Gym-Trail Konzept bezweckt Peter Kreinberg genau das, denn gerade die Western- und Freizeitreiterei hat ihren Ursprung in einer funktionalen Geländereiterei auf zuverlässigen und leichtrittigen Pferden. Er interpretiert den Spruch dabei wörtlich, in dem er sein Gym-Trail Konzept tatsächlich auf der Grünen Wiese, sozusagen auf den Graswurzeln umsetzt.


Die optimalen Möglichkeiten dazu finden sich auf der Anlage der TGT® Trainerin Ramona Westphal in Bovenden bei Göttingen. Sie hat mit Ihrem Mann Olli dort einen GETA e.V. anerkannten Extreme-Trail Parcour gebaut und in Zusammenarbeit mit Peter Kreinberg einen weiteren großzügigen Natur Trailplatz zur Umsetzung seines Gym-Trail Konzeptes geschaffen.


Beim Training auf diesem Spezialplatz können gymnastische Dressurarbeit und kontrollierte Hindernisarbeit ideal kombiniert - Hirn-Jogging und Körpertraining optimal aufeinander abgestimmt werden. Auf der Dream –Ranch sind somit alle Ausbildungs- und Schulungsvoraussetzungen geschaffen, um vom Einsteiger-Level bis zu den höchsten Schwierigkeitsgraden des Extrem-Trails einen systematischen Trainingsverlauf für Pferde und Reiter zu bieten.


Natürliche Motivation ist die beste Motivation


Seit ich als 10/11jähriger Junge nach der Schule mit meinem Wallach Bubi durch die Wälder des Sauerlandes streifte bin ich neben meiner vielfältigen reiterlichen Entwicklung auch immer ein leidenschaftlicher Geländereiter geblieben. Dabei steht für mich allein das Naturerlebnis im Vordergrund, sondern die Anreize und Herausforderungen für Pferd und Reiter. Beim Klettern in schwierigstem Gelände kann ein Fehltritt gravierende Folgen haben, Reiter und Pferd sind aufeinander angewiesen.


Das Vertrauen und die Verständigung müssen hundertprozentig stimmen. Bindung und Gemeinsamkeitsgefühl werden gefestigt und schweißen zusammen. Man lernt, sich aufeinander zu verlassen.


Mal wird dem Pferd die Entscheidung überlassen, im nächsten Augenblick setzt es jeden Huf präzise nach dem Willen des Reiters. Balance, Trittsicherheit und absolute Selbstkontrolle werden zur Selbstverständlichkeit. Muskeln, Sehnen und Bänder werden vielfältig gekräftigt. Es ist kein Platz für Mißverständnisse, Meinungsverschiedenheiten oder Ignoranz. Schwieriges Gelände ist die beste Schule für gute Horsemanship. Das Prinzip „Lerning by doing“ steht im Vordergrund, Erfahrung führt zu einem gesunder Selbstvertrauen und gegenseitige Verlässlichkeit.


Das Gelände auf die Reitanlage holen

Leider haben nur wenige Reiter hier bei uns in Deutschland das Glück, dafür optimale Reitmöglichkeiten abseits zweispurig befahrbarer Wege vorzufinden. Reiten über „Stock und Stein“ ist für die Meisten kaum noch möglich.

Dieser Hintergrund und die Arbeit an Rindern ist aber der Hintergrund, vor dem sich die Arbeitsreitweise Westernreiten und die verschiedenen Formen der „Natural Horsemanship“ entwickelt haben. Das wird gern in der Freizeit- und Turnierreiterei vergessen. Betätigungsfeld und Focus reduzieren sich allzu oft auf eine immer gleiche Routine oder einen bestimmten Trainingsdrill in der Reitbahn. Das mag für Reiterinnen und Reiter, die nach Selbstverwirklichung streben oder Turnierambitionen haben interessant genug sein, für Pferde ist diese Form der „Förderung“ auf die Dauer wohl kaum attraktiv. Pferde wollen keine Titel und Ehrenpreise gewinnen und sie wollen auch keine „perfekten Bewegungskünstler“ werden. Am liebsten grasen, dösen und wandern sie.


Kurz: ohne sinnvolle Anreize fehlt der „Antrieb“ für Leistung im Reitbahntraining häufig und so findet sich der Pferdebesitzer oder Trainer dann in der Rolle des „Antreibers“ und macht „Druck“. „Druck und Nachgiebigkeit“ dieses Trainingsprinzip in unterschiedlichsten Ausprägungen und mehr oder weniger blumigen Umschreibungen zieht sich durch die moderne Horsemanship- und Westernszene. Da braucht es schon sehr viel Einfühlungsvermögen und Ausbilderkompetenz, will man nicht am Ende Pferde haben, denen Frische, Freude und Agilität gänzlich abhanden gekommen sind und die nur noch rein mechanisch funktionieren.


Anders dagegen sieht es beim Reiten in abwechslungsreichem Gelände aus. Dort gibt es vielfältige Anreize für ein Pferd. Der Reiter kann in die Rolle des Begleiters, Helfers und gelegentlich des „Sicherheitspartners“ schlüpfen und dem Pferd Hilfestellung bei der Bewältigung von schwierigen Situationen anbieten. Vorwärtstendenz ist meistens ausreichend vorhanden oder stellt sich bald ein. Solch eine Rollenverteilung fördert zudem den Teamgeist und die Verständigung wird eine Sache der Selbstverständlichkeit. Motivation und Leistungsbereitschaft gehen nicht verloren sondern ganz im Gegenteil, sie entwickeln sich bei einer geschickten und systematischen Geländearbeit zunehmend positiv.


Trail – vom Geländepfad zum „Stangenmikado“

Die Reitdisziplinen oder Turnierprüfungen des Westernreitens haben sich nach und nach aus dem ursprünglichen „Arbeitshintergrund“ entwickelt. Das Wort „Trail“ bedeutet „Pfad“, also einen Fußweg durchs Gelände. Im Western Turniersport ist damit eine Prüfung gemeint, bei der vor Jahrzehnten noch relativ „naturnahe Hindernissen“ in die Arena platziert wurden. Da jeglicher Turniersport stets gewissen Trends und Modeerscheinungen unterworfen ist, entwickelte sich die Trailprüfung über die Jahrzehnte zu einem sehr naturfremden „Stangenmikado“ mit extremen Stangenlabyrinten, die von den Pferden in einer entsprechend „professionellen“ Show-Haltung bewältigt werden müssen. Um diesem Trend zu einer einseitigen Spezialisierung etwas entgegen zu setzten, wurden erfreulicherweise in jüngster Zeit die „Ranch“ Klassen eingeführt, unter anderem auch der „Ranch Trail“, in dem wieder etwas praxisnähere und natürlichere Aufgaben zu bewältigen sind.

Seit einigen Jahren gibt es zudem die „Extrem-Trail“ Bewegung. Aufwendig angelegte Gelände-Trail-Anlagen mit außerordentlich schwierig zu bewältigenden Hindernissen werden angeboten. Etliche Hindernisse bergen für wenig geübte Pferde/Reiter Paare hohe Risiken. Entsprechend sind angemessene Ausbildungsvorstufen notwendig, um Erfahrung zu sammeln und sich für die wesentlich höheren Anforderungen vorzubereiten. Von den Extreme-Trail Anlagenbetreibern werden entsprechend die unterschiedlichsten Trainingsprogramme angeboten. Am Ende werden Pferd und Reiter dabei möglicherweise zu „Extreme-Trail Spezialisten“ und nehmen an entsprechenden Wettbewerben teil.


Geschicklichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit


Auch für nicht turnierambitionierte Reiter bietet ein „Trail-Training“ viele Anreize und Vorteile. Da die Hindernisse und Aufgaben in der Regel im Schritt erarbeitet werden, werden das Körperbewusstsein und die Körperkontrolle bei Reiter und Pferd gleichermaßen gefördert. Ruhige Verständigung und kontrollierte präzisen Bewegungen stehen im Focus, Missverständnisse und „Fehler“ werden Pferd und Reiter sofort klar, weil man etwas umstößt, anstößt oder danebentritt. Bewegungs-Korrekturen sind sinnvoll und für Pferd und Reiter logisch. Wer ungeduldig wird, macht das Pferd nervös und stellt schnell fest, das damit nichts besser wird.

Trailübungen erziehen Reiter zu einer feinen, differenzierten und für das Pferd verständlichen Körpersprache und zu einer gefühlvollen und ruhigen Vorgehensweise. Die Pferde haben einen Grund, hinzuschauen, jeden Huf einzeln zu setzten und zu überlegen. Sie lernen abzuwarten, sich präzise in ruhigem Tempo, Linienführung und Beintätigkeit leiten zu lassen und willig mitzumachen, da die Aufgaben für sie sinnvoll und belohnend sind. Gute Horsemanship ist essentiell fürs Gelingen. Es lässt sich also erfreulicherweise feststellen, dass anspruchsvolles Trailtraining wieder ins Bewusstsein vieler Reiterinnen und Reiter rückt, denn die Vorteile liegen auf der Hand: Geschicklichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit können auf diese Weise deutlich verbessert werden und das ist für jeden Reiter von Vorteil.

Doch so sehr der Nutzen auch auf der Hand liegt, die Sache hat einen entscheidenden Haken. Kaum jemand mag sich für sein tägliches Training mit seinem Pferd eine Wagenladung voller Trail-Hindernisse in die Reitbahn schleppen und anschließen wieder abbauen und nur wenige Reitbetriebe bieten einen abwechslungsreichen, sicheren und gut konzipierten Trailplatz an. Da reduziert sich das Training dann oft nur wieder auf einige Stangen, die in die Bahn gelegt werden. Damit kann man dem Pferd immerhin optische Anreize bieten, aber der Effekt ist natürlich nicht vergleichbar mit dem eines anspruchsvoll gestalteten Trail-Übungsplatzes.


Der TGT®-GYM Trail

Ich selbst habe immer Wert auf natur- und praxisnahes Reiten und Ausbilden gelegt und nach Wegen gesucht die vielfältigen Vorteile objektbezogener Übungen zu nutzen und gleichzeitig mit gutem gymnastisch-dressurmäßigen Reiten zu verknüpfen um einen optimalen „Allrounder“ zu trainieren. Aus Erfahrung weiß ich, dass es einige Nachteile hat, wenn man das Training dabei zu sehr auf reine Trailübungen reduziert. Dann beginnen die meisten Pferde alsbald, selbsttätig an den Hindernissen zu arbeiten. Für viele Reiter mag genau das wünschenswert sein, dann nämlich, wenn es ihre Zielsetzung ist, primär einen „Trail-Spezialisten“ zu trainieren, der hauptsächlich „selbstständig“ am hingegebenen Zügel mit tiefer Nase bei möglichst passivem Reiter schwierige Hindernisse überwindet. Die Entwicklung der allgemeinen Athletik und Durchlässigkeit in den Grundgangarten und anderen Westernmanövern kommt dabei nicht selten zu kurz. Echte Versammlungsfähigkeit weicht einer gewissen Vorhandlastigkeit und dynamische Tempoverstärkungen mit Schub aus der Hinterhand im Trab und Galopp sind nicht möglich.

Damit sich eine solch einseitige Entwicklung nicht einstellt, sind die Trainingssequenzen und Passagen zwischen den Hindernissen in allen Grundgangarten für mich von gleicher Bedeutung im Training. An den Hindernissen mit unterschiedlichen Anforderungen und Schwierigkeitsgraden sollen Pferd und Reiter sich auf die ruhige und kontrollierte Bewältigung konzentrieren. Dort soll das Pferd zwar fokussiert und engagiert sein, aber sich an leichten Hilfen und in guter Gebrauchshaltung reiten lassen. Auch hier wird sich ein hohes Maß an Selbsttätigkeit einstellen und vom Pferd angeboten werden, doch die Zielsetzung bleibt letztlich, es stets durchlässig und bei jedem Schritt an den reiterlichen Hilfen zu behalten.

Man könnte vom „gerittenen“ oder „Reined Trail-Horse“ sprechen. Entsprechend sind die Anforderungen an die reiterliche Kompetenz bedeutend höher angesiedelt als bei der zuvor genannten Zielsetzung. Die Hindernisarbeit ist somit für Reiter und Pferd Konzentrationsarbeit und „Brainwork“. Diese Arbeitsphasen werden individuell abgestimmt mit Trab und Galopparbeit auf Zirkeln, Volten und geraden Linien am eher längeren Zügel. Hier kann das Pferd geistig abspannen und Muskelaufbau, Atmung und Gleichmäßigkeit in den Grundgangarten werden gefestigt und in den Verstärkungen die Schubkräfte gefördert. Vermehrte Konzentration und Versammlung wird dann in ausgewählten gymnastischen Übungen in den Seitengängen gefördert.

Diese drei Trainingsblöcke werden wie bei einem guten sportlichen „Zirkeltraining“ zusammengefügt. Das hat über die spezielle Trailarbeit hinaus natürlich einen hervorragenden Zusatzeffekt für die Verbesserung der allgemeinen Rittigkeit, Durchlässigkeit und Athletik des Pferdes und somit auch einen Nutzen für alle anderen Ausprägungen des Reitens.


Besonders der gymnastische Effekt zur Verbesserung der Elastizität und Versammlungsfähigkeit über die Hinterhand spielt dabei eine wichtige Rolle. Bahnfiguren auf gebogenen und geraden Linien werden dabei sinnvoll mit Hindernissen kombiniert, die an Linienführung, Fußsetzung und Haltung des Pferdes in der Schwierigkeit gestaffelte Anforderungen stellen. Hindernisse mit „Schreck“ und Irritationstendenz werden zusätzlich als Gelassenheitstraining eingefügt und es gibt auch Aufgaben, die Anforderungen an die Geschicklichkeit des Reiters stellen.

In drei Schwierigkeitsstufen gestaffelt holt das Trainingskonzept Einsteiger ab, fördert und fordert Fortgeschrittene und weit fortgeschrittene Reiter/Pferd Kombinationen.

 

 


 

Nächstes Seminar:


21. - 22. April 2019

Seminar "EXTREME-Trail" mit Peter Kreinberg
„TGT® GYM Trail & Extreme Trail“ – am Boden & geritten
Dream Ranch,l Am Rodebach 39,
37120 Bovenden (Raum Göttingen)

 


 

 

 

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